Die Vielfalt reizvoller Landschaften auf engem Raum, große naturnahe
Bereiche und weitgehend intakte Ortsbilder sind ebenso wie Denkmäler der
Geschichte, Kunst und Kultur und die überschaubaren historisch gewachsenen
Siedlungs-, Wirtschafts- und Sozialstrukturen unverwechselbare Vorzüge der
Region und ihrer Teilräume. Sie haben zu entwickelten Frem-denverkehrsgebieten
und abwechslungsreichen wohnortnahen Erholungsmöglichkeiten geführt, die nach
Wegfall der innerdeutschen und Durchlässigkeit der Grenze zur Tschechischen
Republik auch wieder aus den benachbarten stärker verdichteten Räumen
Thüringens, Sachsens und Böhmens genutzt werden.
Abbauwürdige
Rohstofflagerstätten, Trinkwasservorkommen, ein überdurchschnittlicher
Waldanteil und zusammenhängende große Waldflächen sowie die arbeitsgewohnte,
qualitätsbewusste Bevölkerung haben zu bedeutenden alteingesessenen Industrien
geführt. Sie können heute traditionelle Verflechtungen
wiederbeleben.
Hochwertige Infrastruktureinrichtungen, wie die
Universität Bayreuth und Fachhochschuleinrichtungen in Hof und Münchberg,
Verkehrslandeplätze, Telekommunikationseinrichtungen, Theater, Museen und
Gesundheitseinrichtungen sind weitere wichtige Voraussetzungen zur Entwicklung
der Region, deren Infrastrukturausstattung weitgehend der in anderen Regionen
Bayerns vergleichbar, teilweise sogar besser ist.
Zur Lebensqualität in
der Region Oberfranken-Ost tragen auch niedrige Lebenshaltungskosten, günstige
Wohnbedingungen und die Möglichkeit, relativ preiswert Wohneigentum erwer-ben zu
können, bei.
Die damit bestehenden Ansatzpunkte müssen als wichtige
Grundlagen zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Region
aber langfristig gesichert, weiter verbessert und verstärkt genutzt werden,
nachdem die bisherige Randlage wieder durch die zentrale Lage in Deutschland und
Europa ersetzt ist und damit neue Anforderungen und Möglichkeiten entstanden
sind. Der Erhaltung und Verbesserung der Erholungsfunktion und Maßnahmen zur
Erhaltung des Waldes zur Sicherung der Trinkwasserversorgung und zur
Verbesserung der sonstigen natürlichen Lebensgrundlagen sowie zur
Wiederherstellung gesunder Umweltbedingungen kommen dabei besondere Bedeutung
zu.
Trotz erfreulicher Entwicklungen in den letzten Jahren liegen
Struktur und Entwicklung von Bevölkerung, Wirtschaft und Arbeitsplätzen,
Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten, Einkommensniveau und
Finanzausstattung der Gemeinden noch unter dem Landesdurchschnitt. Dies ist
wesentlich auch darauf zurückzuführen, dass die Region durch die Grenzziehung
nach dem Zweiten Weltkrieg in eine extreme Randlage geraten war und der Abbau
und Ausgleich dieser zonenrandbedingten Nachteile nur mittel- und langfristig
herbeigeführt werden können. Die Mittelbereiche Hof, Naila, Kulmbach,
Marktredwitz/Wunsiedel, Münchberg und Selb mit zusammen rd. 67 % der Bevölkerung
und 63 % der Fläche der Region sind deshalb im Landesentwicklungsprogramm als
ländlicher Teilraum ausgewiesen, dessen Entwicklung nachhaltig gestärkt werden
soll. Die neuen Entwicklungen haben sich noch nicht in einem stetigen
Bevölkerungswachstum und ausreichend vielen qualifizierten Arbeitsplätzen
niedergeschlagen. Mit dem Abbau der Zonenrandförderung, der Herausnahme eines
Großteils der Region aus dem Gebiet der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der
regionalen Wirtschaftsstruktur" und künftig verstärkter Förderung in Thüringen
und Sachsen, werden sich die Konkurrenzverhältnisse zwischen den Regionen
verschärfen. Deshalb wird das Entwicklungspotential primär in der Region
benötigt, um dauerhaft eine günstigere Entwicklung zu gewährleisten, zumal
weiterhin die Entwicklungsmöglichkeiten vorwiegend durch die vorhandenen
Betriebe, die Infrastruktur und die Erschließung und Nutzung vorhandener
Faktoren bestimmt werden. Bei der Beurteilung konkurrierender Planungen und
Maßnahmen sind deshalb verstärkt ihre Auswirkungen zur Stärkung der heimischen
Wirtschaft, die Sicherung und Verbesserung der vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten
und die Verbesserung der Lebensbedingungen in der Region
einzubeziehen.
Die Lage und verkehrsgeographische Situation in der Mitte
Europas weisen Oberfranken-Ost eine Mittlerfunktion zwischen den untermainischen
Verdichtungsräumen und den böhmischen bzw. osteuropäischen Industriegebieten
sowie zwischen den bayerischen großen Verdichtungsräumen und Sachsen, Thüringen
und Berlin zu. Die Auflösung der Grenze in Deutschland und die Intensivierung
der Austauschbeziehungen mit der Tschechischen Republik sowie den Ländern
Osteuropas hat die bisherige Marktferne, besonders des Nordens und Ostens der
Region, gemildert. Die Nachfrage nach Gewerbeflächen, gerade in Nähe zur
bisherigen und zur fortbestehenden Grenze kann Entwicklungsimpulse für die
Region verstärken, wenn es gelingt, diese in Betriebsansiedlungen umzusetzen.
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