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Regionalplan
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Begründung zu II. - Raumstruktur

Begründung zu 1.3 Mittelbereiche Hof, Naila, Kulmbach, Selb, Marktredwitz/Wunsiedel und Münschberg


Die genannten Mittelbereiche sind stark industrialisierte Gebiete, in denen die Anteile der im verarbeitenden Gewerbe Tätigen und der im produzierenden Bereich Beschäftigten je Einwohner erheblich über dem Landes- und Regionsdurchschnitt liegen.
Die Mittelbereiche Hof, Naila und Selb sind wesentlich dichter besiedelt als im Landes- und Regionsdurchschnitt; die Mittelbereiche Kulmbach, Marktredwitz/Wunsiedel und Münchberg erreichen dagegen die Vergleichswerte nicht.

Die Land- und Forstwirtschaft bot in den genannten Mittelbereichen 1979 mehr als 22000 Erwerbsmöglichkeiten. Dazu kommen Arbeitsplätze in der Holzbe- und -verarbeitung und der Nahrungsmittelindustrie, im Handel sowie in der Landwirtschafts- und Forstverwaltung, so dass dieser Bereich trotz erheblich verringerten Umfangs weiterhin Bedeutung für den Arbeitsmarkt besitzt und die Grundlage für die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen bildet. Zunehmende Bedeutung haben Land- und Forstwirtschaft auch als Voraussetzungen für Fremdenverkehr und Erholung erlangt, vor allem in den Naturparkbereichen als den bevorzugten Erholungsgebieten der Region. Hier besteht im Fichtelgebirge, im Frankenwald und in Teilen der Nördlichen Frankenalb die Gefahr einer Verringerung des Erholungswerts der Landschaft, weil Teile des Grünlands nicht mehr bewirtschaftet und Flächen, gerade in Talbereichen, häufig aufgeforstet werden.
Eine wesentliche Ursache für die anhaltende und unter Status-quo-Bedingungen weiterhin zu erwartende Abwanderung ist die relativ geringe Breite des Arbeitsplatzangebots, insbesondere auf dem Sektor der Dienstleistungen.

Der Anteil der Beschäftigten in den Industriezweigen Steine und Erden, Feinkeramik und Glas, Holz, Papier und Druck, Leder sowie Textil und Bekleidung liegt mit 56,9 Prozent in der Region nahezu doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt, in den genannten Mittelbereichen mit Ausnahme des Mittelbereichs Kulmbach teilweise sogar erheblich darüber.

Anhaltend negative Wanderungssalden und eine ungünstige Altersstruktur sind weitere Kennzeichen dieser Gebiete, in denen besondere Maßnahmen zur Beseitigung der Ursachen eines eventuellen Zurückbleibens gegenüber dem Bundesdurchschnitt erforderlich sind. Maßgebend für die Abgrenzung dieser Mittelbereiche als Gebiete, deren Struktur zur Erhaltung gesunder Lebens- und Arbeitsbedingungen nachhaltig gestärkt werden soll, sind Kriterien, die die Situation zu Beginn der siebziger Jahre wiedergeben.

In der Zwischenzeit haben sich in verschiedenen Teilbereichen zwar Veränderungen ergeben, insgesamt zeigen aber zahlreiche Indikatoren zur Bevölkerungs- und Beschäftigungssituation weiterhin ein Defizit gegenüber der Entwicklung in anderen Bereichen der Region, des Landes und des Bundesgebiets.

Die Attraktivität dieser Mittelbereiche muss besonders gestärkt werden, um einer weiteren Abwanderung entgegenzuwirken und die Voraussetzungen für eine Zuwanderung verbessern zu können. Dies erfordert neben weiteren Modernisierungs-, Rationalisierungs- und Umstellungsmaßnahmen zur Steigerung der Konkurrenzfähigkeit ansässiger Unternehmen vor allem auch eine Ergänzung der bestehenden Branchenstruktur durch Neuansiedlung von Betrieben. Dabei müssen insgesamt das bisher nicht ausreichende Angebot qualifizierter Arbeitsplätze erhöht und ein Ausgleich von Angebot und Nachfrage im Bereich der Berufsausbildung gefunden werden. Während in den Mittelbereichen Hof, Naila, Marktredwitz/Wunsiedel, Münchberg und Selb das Arbeitsplatz- und Berufsausbildungsangebot sowie die Branchenstruktur quantitativ und quali-tativ erweitert werden müssen, stehen im Mittelbereich Kulmbach die Sicherung und weitere Verbesserung der bestehenden Arbeitsplatz-, Ausbildungs- und Branchenstruktur im Vordergrund. Dabei werden weitere Arbeitsplätze vor allem im bisher unterdurchschnittlich repräsentierten tertiären Bereich benötigt.

Die Mittelbereiche Marktredwitz/Wunsiedel und Münchberg gehören nach dem Landesent-wicklungsprogramm 1984 gleichzeitig zu den Gebieten, deren Struktur zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen nachhaltig gestärkt werden soll und somit zu den Räumen Bayerns, die in ihrer Gesamtheit im Verhältnis zum Bundesdurchschnitt wesentlich zurückgeblieben sind. Hier und insbesondere auch im Mittelbereich Selb sind besondere Maßnahmen erforderlich, um nicht nur ein Schritthalten mit der Entwicklung des Landes, sondern auch eine größere Annäherung an den Bundesdurchschnitt erreichen zu können. Unter Berücksichtigung fachlicher Dringlichkeiten wird ihnen deshalb gegenüber allen anderen Räumen eine zeitliche Priorität für Planungen und Maßnahmen zur Stärkung ihrer Struktur eingeräumt. Diese bezieht sich vor allem auf die Bereitstellung und Erhaltung von Infrastruktureinrichtungen, vielseitiger qualifizierter Arbeitsplätze in Wohnortnähe und einer günstigen Verkehrserschließung und Verkehrsbedienung.

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