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Regionalplan
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Begründung zu II. - Raumstruktur

Begründung zu 2:
Ökologische Erfordernisse für die Entwicklung der Region und ihrer Teilräume


Begründung zu 2.1


Natürliche Lebensgrundlagen sind Naturgüter und Naturkräfte, die in komplexen Ökosystemen zusammenwirken. Ihre Erhaltung ist die wichtigste Voraussetzung für eine gesunde Umwelt, einen funktionsfähigen Naturhaushalt und den Schutz der Tier- und Pflanzenarten. Nach den Grundsätzen der bayerischen Umweltpolitik sind die natürlichen Lebensgrundlagen, insbesondere Luft, Boden, Wasser sowie Tier- und Pflanzenwelt, zu schützen und zu erhalten, das ökologische Gleichgewicht ist zu wahren oder wieder herzustellen, für eine gesunde und saubere Umwelt ist zu sorgen.
Die natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen werden durch die Verschlechterung ihrer Qualität und durch zunehmenden Verbrauch bedroht. So verursachen Siedlungstätigkeit, stei-gender Energie- und Wasserbedarf, Gewässerverunreinigungen, Entwässerungs- und Regu-lierungsmaßnahmen, Rodungen, Immissionen, Zerschneidungen der Landschaft durch Straßen und Leitungen sowie vermehrte Bedürfnisse nach Freizeit und Erholung in der Natur ständig Veränderungen und teilweise erhebliche Beeinträchtigungen von Boden, Wasser, Luft, Tier- und Pflanzenwelt. Auf die Kapitel B XI 3. Gewässerschutz und B XII 2. Luftreinhaltung wird hingewiesen. Danach sind insbesondere in den Landkreisen Bayreuth und Kulmbach Grundwasserbelastungen durch Nitrate bei Untersuchungen von Wassergewinnungsanlagen ermittelt worden. Des weiteren wird vor allem im Fichtelgebirge und Frankenwald eine zunehmende Versauerung der Gewässer in den Oberläufen und des oberflächennahen Grundwassers festgestellt. Lufthygienische Belastungen treten vor allem im Nordosten der Region, etwa im Raum Hof-Arzberg, auf.

Der Boden ist ein unbewegliches, unvermehrbares und leicht zerstörbares Naturgut. Schadstoffbelastungen, Erosion und Flächenverbrauch verursachen die wesentlichen Gefährdungen des Bodens. Der Schutz des Bodens wird zunehmend für dringend erforderlich gehalten. Die Umweltministerkonferenz hat Anfang 1985 beschlossen, dass gemeinsam von Bund und Ländern in den Bereichen Gesetzgebung, Forschung und Information sowie Verwaltungsvollzug ein Maßnahmenkatalog erarbeitet werden soll. Vor allem sind im Vergleich zu Wasser und Luft beim Boden Grundlagenermittlungen dringend erforderlich. Aufgrund der hohen lmmissionsbelastungen in der Region ist neben der Gewässerversauerung auch mit einer erheblichen Bodenversauerung zu rechnen. Durch flächendeckende PH-Wert-Untersuchungen wird im Regierungsbezirk Oberfranken erstmalig versucht, einen Überblick über das Ausmaß der Bodenversauerung zu erhalten, um Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.
Des weiteren wird eine Belastung mit anorganischen und organischen Schadstoffen durch einen unsachgemäßen Einsatz von Düngern und Schädlingsbekämpfungsmitteln und die verstärkte Verwendung von Zivilisations- und lndustrieabfällen (Klärschlamm, Müllkompost usw.) in der Landwirtschaft verursacht.
Ehe konkrete Ziele für die Region formuliert werden können, sind weitere Untersuchungen über den Umfang und die Ursachen der Schadstoffbelastungen des Bodens dringend erforderlich.
Veränderungen oder Gefährdungen durch Schadstoffbelastungen sind vor allem nordöstlich des Naturparks Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst erkennbar. Beispielhaft sei hier auf die vom Waldsterben besonders betroffenen Gebiete im Frankenwald, Fichtelgebirge und Steinwald, auf ausgeräumte Fluren, die Belastung vieler Fließgewässer und ihrer Einzugsge-biete hingewiesen. Erheblich unter dem Landesdurchschnitt von 4,3 Prozent liegt in der Region der Biotopflächenanteil mit 2,9 Prozent. Äußerst gering sind auch die Anteile der Feuchtgebiete mit nur 0,15 Prozent an der Regionsfläche und der Laubwälder mit 0,6 Prozent an der Regionsfläche bzw. 3,9 Prozent der Waldfläche, während er im Landesdurchschnitt unter Berücksichtigung der von Natur aus laubholzreichen Gebiete, wie z. B. des Spessart, bei 22 Pro-zent der Waldfläche liegt.

Die natürlichen Lebensbedingungen müssen deshalb in allen Teilen der Region langfristig und nachhaltig geschützt und erhalten, teilweise auch verbessert werden. Dazu ist es erforderlich, dass alle Maßnahmen vermieden werden, die die Naturfaktoren überbeanspruchen oder den Naturhaushalt in seinen ökologischen Wirkungszusammenhängen erheblich stören.
Nach der Waldschadenserhebung 1985 sind zwischen 53 und 72 Prozent der Waldfläche der Region vorwiegend durch lufthygienische Belastungen geschädigt. Fichtelgebirge und Fran-kenwald sind dabei am stärksten betroffen. Dort sind 1985 73 Prozent der Fichten und 79 Prozent der Kiefern als geschädigt und abgestorben zu bezeichnen. Es ist jedoch eine Abnahme der stärkeren Schäden festzustellen. Die Erholung der mittelstark geschädigten Wälder dürfte in erster Linie auf die 1985 für das Waldwachstum günstige Witterung zurückzuführen sein.
Bei einem Waldanteil von rund 39 Prozent an der Regionsfläche sind der Naturhaushalt, vor allem der Wasserhaushalt, die Tier- und Pflanzenwelt sowie das Landschaftsbild, besonders stark gefährdet. Zur Erhaltung und Verbesserung der natürlichen Lebensgrundlagen müssen deshalb auf Bundes- und Länderebene sowie unter kommunaler Mithilfe vorrangig wirksame Maßnahmen zur Erhaltung und Wiederherstellung gesunder Wälder durchgeführt werden.
Einer Reduzierung der lufthygienischen Belastungen auch auf der Grundlage überregionaler administrativer Maßnahmen, internationaler Abkommen und zwischenstaatlicher Vereinbarungen, insbesondere mit der DDR und der CSSR, kommt dabei besondere Bedeutung zu. Neben den dringend notwendigen Maßnahmen zur weiteren Verringerung der Luftschadstoffe müssen auch die forstlichen Maßnahmen, wie z. B. Düngung zur Vitalisierung schwach geschädigter Bestände und Vorbeugung gegen zunehmende Bodenversauerung, Verjüngungsmaßnahmen zur Vermeidung größerer Kahlflächen und Begründung möglichst gemischter, stabiler, vitaler, standorts- und herkunftsgerechter Nachfolgebestände usw., in verstärktem Maße durchgeführt werden.

In den letzten Jahrzehnten ist ein zunehmender Rückgang zahlreicher Tier- und Pflanzenarten zu beobachten. Das Ausmaß ihrer Gefährdung bzw. der Veränderungen in ihrem Bestand zeigen die von der Regierung von Oberfranken zwischen 1978 und 1982 durchgeführten Rasterkartierungen von Vegetationsbeständen und die Liste seltener und bedrohter Farn- und Blütenpflanzen in Oberfranken auf. Danach sind rund 11 Prozent der um die Jahrhundertwende in Oberfranken einheimischen Arten verschollen und weitere rund 35 Prozent einheimischer Arten in ihrem Bestand insgesamt oder in Teilräumen stark gefährdet oder gefährdet. Die Verarmung der oberfränkischen Flora läuft für einzelne Teilräume weitaus schneller ab als eine Betrachtung der Verhältnisse in ganz Bayern erwarten ließe. Eine artenreiche Pflanzen- und Tierwelt trägt jedoch im Zusammenwirken aller natürlichen Lebensgrundlagen wesentlich zur Erhaltung gesunder Umweltbedingungen und zur Stabilisierung eines leistungsfähigen Naturhaushalts bei. In allen Teilen der Region soll deshalb eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt gefördert werden.

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