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Regionalplan
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Begründung zu II. - Raumstruktur

Begründung zu 2:
Ökologische Erfordernisse für die Entwicklung der Region und ihrer Teilräume


Begründung zu 2.2


Der Naturhaushalt ist durch die Zunahme unterschiedlicher qualitativer und quantitativer Belastungen in vielen Teilen der Region gefährdet und teilweise erheblich beeinträchtigt. Die vorhandenen Schäden resultieren vor allem aus lufthygienischen Belastungen, die entscheidend von der DDR und der CSSR verursacht werden. Weitere Belastungen und Schädigungen ergeben sich aus wirtschaftlichen Aktivitäten, Siedlungstätigkeit, Infrastrukturausbau, Erholung und Fremdenverkehr. Der Umfang der Gefährdungen und Beeinträchtigungen des Naturhaushalts wird deutlich aus
- dem mit rund 53 bis 72 Prozent hohen Anteil geschädigter Wälder an der gesamten Waldfläche der Region, wobei der überwiegende Teil der Schadfläche rund 38 Prozent mittlere und starke Schäden aufweist.
- der Verteilung großflächiger Landschaftsbereiche, die von Bebauung und Infrastruktur bisher nicht oder nur gering beeinträchtig sind. Bei einem Anteil von zirka 16 Prozent an der Regionsfläche liegen etwa 85 Prozent in den Naturparken Fichtelgebirge und Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst.
- der Notwendigkeit, naturnahe Landschaftsbestandteile zu sichern, zumal in der Region nur 2,9 Prozent der Fläche Biotope sind, im Landesdurchschnitt dagegen 4,2 Prozent.
- der Güte der Fließgewässer. Von 2200 km untersuchter Fließgewässer in Oberfranken sind 907 km kritisch belastet und 194 km stark bis übermäßig verschmutzt.
- der Belastung des Grundwassers. In der Region weisen rund 4 Prozent der Grundwassererschließungen für öffentliche Wasserversorgungen überhöhte Nitratgehalte aus.
- der Versauerung der Oberläufe der Fließgewässer im Fichtelgebirge und Frankenwald sowie des oberflächennahen Grundwassers im Fichtelgebirge.
- der Verarmung der Flora in Teilräumen. In Oberfranken gelten rund 11 Prozent einheimischer Arten als verschollen und rund 35 Prozent als in ihrem Bestand stark gefährdet oder gefährdet, während es im Landesdurchschnitt lediglich 1,6 und 22,4 Prozent sind.

Zur Erhaltung eines funktionsfähigen Naturhaushalts sind deshalb insbesondere die Verringerung der lufthygienischen Belastung, die Bewahrung bisher nicht oder nur gering beeinträchtigter Landschaftsräume, die Sicherung des natürlichen Potentials, die Verbesserung der Gewässergüte der Fließgewässer, die Verringerung der Grundwasserbelastung und die Erhaltung der Lebensvoraussetzungen für Tiere und Pflanzen, insbesondere die Erhaltung der vor-handenen naturnahen Biotope, dringend notwendig. Dazu ist es erforderlich, dass sich die Nutzungsansprüche an die Landschaft künftig stärker an der Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts orientieren. Diese ist aufgrund der Naturausstattung und bestehender Vorbelastungen in den einzelnen Teilräumen sehr unterschiedlich ausgebildet. Veränderungen des ökologischen Wirkungsgefüges können bereits eintreten, wenn ein Faktor des Naturhaushalts belastet wird. Deshalb hat ein Nutzungsanspruch grundsätzlich dort seinen günstigsten Standort, wo er Naturhaushalt und Landschaftsbild am wenigsten beeinträchtigt.

Die sog. "freie Landschaft" existiert in Wirklichkeit kaum noch. Nur noch in wenigen Land-schaftsräumen sind im Umkreis von 15 Gehminuten bzw. 1,5 km keine Bauten, Straßen oder Hochspannungsleitungen anzutreffen. Großflächige, bisher nicht oder nur gering beeinträchtigte Landschaftsbereiche haben wegen ihrer ökologischen Ausgleichsfunktion und als Regenerationsräume für die Tierwelt und den erholungssuchenden Menschen große Bedeutung. In der Region liegen solche Räume fast ausschließlich in den Fremdenverkehrsgebieten und Naturparken. Aufgrund ihrer Bedeutung sollen diese noch weitgehend unbeeinträchtigten Landschaftsräume gesichert und erhalten werden.

Frankenwald, Fichtelgebirge und Steinwald sind vom Waldsterben besonders stark betroffen. Natursteinabbau und Erschließungsmaßnahmen für den intensiven Erholungs- und Fremdenverkehr beeinträchtigen Teilbereiche dieser Landschaftsräume. Zur Erhaltung der Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts, der Attraktivität und Erholungseignung der Landschaft und ihrer Bedeutung für den Fremdenverkehr ist die vorrangige Beseitigung vorhandener Beeinträchtigungen dringend erforderlich. Gleiches gilt für die im Ziel genannten Nahbereiche.

Die Wälder der Region weisen einen hohen Schadholzanteil von bis zu 50 Prozent beim Ge-samteinschlag von Tanne und Fichte auf. Im überwiegenden Teil des bayerischen Staatswalds beträgt er dagegen nur bis zu 15 Prozent. Je nach Waldgebiet und Baumart sind zwi-schen 53 und 72 Prozent der Waldfläche geschädigt, wobei die mittleren und starken Schäden bereits über ein Drittel der Waldfläche erfasst haben. Neben Frankenwald und Fichtelgebirge sind auch die Wälder um Bayreuth und Kulmbach vom Waldsterben stark betroffen. Sobald der Erkenntnisstand über Ursachen und Wirkungszusammenhänge konkrete Maßnahmen ermöglicht, ist eine sofortige Sanierung der eingetretenen Schäden in der gesamten Region, vorrangig in den Erholungs- und Fremdenverkehrsgebieten sowie in den Nahbereichen Bayreuth und Kulmbach, durchzuführen.

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