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Regionalplan
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Begründung zu II. - Raumstruktur

Begründung zu 1.2 Mittelbereiche Bayreuth und Pegnitz


Die Mittelbereiche Bayreuth und Pegnitz gehören nach dem Landesentwicklungsprogramm 1984 nicht zu den Gebieten, deren Struktur zur Erhaltung gesunder oder zur Verbes-serung der Lebens- und Arbeitsbedingungen nachhaltig gestärkt werden soll. Ihre Strukturdaten weisen häufig günstigere Werte auf als die der anderen Mittelbereiche der Region. So bei der Bevölkerungsentwicklung, den Löhnen und Gehältern je Beschäftigten, der Beschäftigtenentwicklung oder der industriellen Branchenstruktur. Der Landesdurchschnitt wird aber nur in wenigen Fällen erreicht oder überschritten, wobei zwischen der günstigeren Entwicklung im Mittelbereich Bayreuth und der Entwicklung im Mittelbereich Pegnitz ebenfalls häufig große Unterschiede bestehen.

Um ein Zurückbleiben dieses Raumes hinter der Entwicklung Bayerns und in den angrenzen-den Teilräumen der Nachbarregionen zu vermeiden, ist es notwendig, die Lebens- und Ar-beitsbedingungen mindestens so zu entwickeln wie im Landesdurchschnitt.

Mit 74,5 bzw. 98,4 Beschäftigten je 1 000 Einwohner war die Bedeutung der Land- und Forst-wirtschaft als Beschäftigungs- und Einkommensmöglichkeit 1979 in den Mittelbereichen Bay-reuth und Pegnitz noch erheblich größer als im Regionsdurchschnitt (66,2).

In der gesamten Region bot dieser Wirtschaftszweig mit über 34000 Personen gut halb so viel Erwerbsmöglichkeiten wie der tertiäre Sektor. Im Mittelbereich Bayreuth lag der Anteil unter dem Regionsdurchschnitt, im Mittelbereich Pegnitz dagegen wesentlich darüber.
Die Zahl der in der Land- und Forstwirtschaft Tätigen wird weiter zurückgehen, bei Problemen in den anderen Wirtschaftsbereichen kann die Land- und Forstwirtschaft aber relativ an Bedeutung zunehmen. Dazu kommen ihre Funktionen in der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen, in der Landschaftspflege sowie für Erholung und Fremdenverkehr, durch die indirekt ebenfalls eine erhebliche Zahl von Arbeitsplätzen gesichert und ermöglicht werden.

Die landschaftliche Eignung und die vorhandene Freizeitinfrastruktur haben in beiden Mittelbereichen Fremdenverkehr und Erholung zu einer wichtigen wirtschaftlichen Grundlage werden lassen. Allein im Gastgewerbe bestehen Beschäftigungsmöglichkeiten für über 2400 Personen. Mehr als die Hälfte der Gästebetten und der Übernachtungen der Region entfallen allein auf die Mittelbereiche Bayreuth und Pegnitz, die überwiegend in den Naturparken Fichtelgebirge und Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst bzw. vollständig im Naturpark Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst liegen. Eine verlängerte Freizeit, der wachsende Trend zum Kurz- und lnlandsurlaub sowie der erreichte Ausbaustand der Erholungsinfrastruktur lassen einen weiteren Zuwachs in diesem Wirtschaftssektor erwarten. Um diese Entwicklungsmöglichkeiten langfristig sichern und nutzen zu können, wird künftig vermehrt darauf zu achten sein, dass Landschaft und Funktion des Naturhaushalts nicht durch übermäßige Erschließung und gewerbliche Nutzung, insbe-sondere durch Großprojekte, beeinträchtigt werden und damit die Voraussetzungen für die Erholung verloren gehen oder in ihrer Attraktivität gemindert werden.

Im Mittelbereich Bayreuth bestehen gegenüber anderen Teilräumen der Region verhältnismäßig bessere Beschäftigungsdaten, aber auch Schwächen hinsichtlich der Sicherheit der Arbeitsplätze und der Qualifikationsstruktur, wie die anhaltend hohen Arbeitslosenquoten, unterdurchschnittlichen Angestelltenanteile und überdurchschnittlichen Lohnanteile zeigen. Künftig stehen die Sicherung des Arbeitsplatzangebots und qualitative Verbesserungen im Vordergrund. Dabei erfordert die Sicherung eines quantitativ ausreichenden Arbeitsplatzangebots aber auch neue Arbeitsplätze, zumal sich schon aus der Entwicklung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ein Bedarf an zusätzlichen Arbeitsplätzen ergibt.

Trotz vorhandener Ansätze einer Verdichtung konnte der Raum Bayreuth bisher im Landesentwicklungsprogramm nicht als Verdichtungsraum ausgewiesen werden. Seine eigendyna-mischen Entwicklungstendenzen haben sich auch in den letzten Jahren, vor allem in der positiven Bevölkerungsentwicklung der Nahbereiche Bayreuth und Bindlach, fortgesetzt. Die weitere Verdichtung wird angestrebt, um den Raum Bayreuth als Raum hoher wirtschaftlicher und kultureller Aktivität so zu stärken, dass er seine Aufgaben für die Entwicklung des gesamten Staatsgebiets erfüllen und wichtige Entwicklungsimpulse für die Region übernehmen kann.

Die weitere Verdichtung wird vor allem vom Oberzentrum Bayreuth und den zentralen Orten sowie geeigneten Siedlungseinheiten im Verlauf der Entwicklungsachsen zu tragen sein. Zwi-schen 1973 und 1983 wanderten aus dem zur Region gehörenden Teil des Mittelbereichs Pegnitz rund 600 Einwohner mehr ab als dorthin zuzogen; zwischen 1978 und 1983 waren es immerhin noch rund 200. 1981 und 1982 konnten aufgrund einer ausgeglichenen bzw. positiven Wanderungsbilanz des Mittelzentrums im Mittelbereich Pegnitz erstmals deutlich niedrigere Wanderungsverluste, seither sogar Wanderungsgewinne erreicht werden.
Um diese positive Entwicklung zu sichern und auf eine breitere Basis zu stellen, sind neben einer weiteren Attraktivitätssteigerung des Raums und seiner zentralen Orte vielfältige neue Arbeitsplätze, insbesondere im Dienstleistungsbereich und für höher qualifizierte Bewerber, erforderlich.
Die industrielle Branchenstruktur im Mittelbereich wird überwiegend durch den Maschinenbau, daneben auch durch die Textil- und Bekleidungsindustrie geprägt, die zusammen rund 80 Prozent aller industriellen Arbeitsplätze stellen. Um eine größere Unabhängigkeit des Arbeitsmarkts und der wirtschaftlichen Entwicklung und eine größere Krisensicherheit zu erreichen, muss die industrielle Branchenstruktur verbreitert werden, wodurch sich auch eine größere Eigenständigkeit des Arbeitsmarkts gegenüber dem benachbarten großen Verdichtungsraum erreichen lässt. 

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