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Regionalplan
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Begründung zu VI. - Bildungs- und Erziehungswesen, kulturelle Angelegenheiten
Zu 4.1 Hochschulen und Forschungseinrichtungen

Die Universität Bayreuth erreichte im Wintersemester 1991/92 mit über 8.500 Studierenden mehr als 170 % ihres im Bayerischen Hochschulgesamtplan vorgesehen Ausbauziels. Sie hat sich seit ihrer Gründung im Jahre 1972 einen anerkannten Platz in der deutschen Hochschullandschaft gesichert und ist zu einem bedeutenden Entwicklungsfaktor für Nordostbayern geworden.

Der Prozess der deutschen Einigung gerade für die nordbayerischen Hochschulen, insbesondere für die Universität Bayreuth, von größter Bedeutung. Er eröffnet Chancen, birgt aber auch Gefahren, wenn gegenüber den sich mittelfristig mit Sicherheit entwickelnden und modernisierenden wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Ballungsräumen in den nördlich gelegenen neuen Bundesländern nicht nachhaltige strukturpolitische sowie hochschul- und wissenschaftspolitische Anstrengungen erfolgen. Es muss versucht werden, für Nordostbayern hochschulpolitische Kontrapunkte gegenüber den benachbarten Bundesländern zu setzen. Die im Bayerischen Hochschulgesamtplan 1992 vorgesehene hochschulpolitische Abstimmung mit Sachsen und Thüringen kann auch zu einer einseitigen Verzichtspolitik und damit zu bedrohlichen Wanderungsverlusten in der Region führen.

 Zur Sicherung ihrer vollen Funktionsfähigkeit und ihrer Stellung unter den europäischen Hochschulen muss die Universität Bayreuth auf der Basis ihrer Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte weiter ausgebaut werden. Dabei ist es erforderlich, i>durch Anpassung des Gesamtausbauziels* an die aktuelle Situation und die neuen Möglichkeiten Entwicklungshemmnisse zu vermeiden und die Einrichtung neuer Studiengänge und Forschungsbereiche zu ermöglichen.

Die Universität Bayreuth ist die bayerische Universität, auf die sich Wegfall und Öffnung der Grenzen bisher am stärksten ausgewirkt haben und auswirken werden. Kurz- und mittelfristig stehen dabei die Mitbenutzung der Hochschulinfrastruktur, Beratungs- und Informationsleistungen für die Hochschulen in Thüringen und Sachsen sowie in der Tschechischen Republik und spezielle Qualifikationsangebote im Vordergrund. Längerfristig ergeben sich Chancen durch den nun möglichen Ausbau der Forschungs- und Lehrkontakte, aber auch Risiken durch eine Konkurrenzsituation, denen es rechtzeitig zu begegnen gilt.

In ihrem Ausbauschwerpunkt Naturwissenschaften weist sie ein breites Spektrum an Disziplinen und Studiengängen sowie anerkannte und erfolgreiche Forschungsbereiche auf, z. B. die Forschungsschwerpunkte "Experimentele Ökologie und Ökosystemforschung, Polymerforschung und Geowissenschaftliche Hochdruck- und Hochtemperaturforschung". Hier konnten in den letzten Jahren DFG-Sonderforschungsbreiche eingerichtet und neue Institute begründet werden, so das Bayreuther Institut für terrestrische Ökosystemforschung, das Bayreuther Institut für Makromolekülforschung, das Institut für Materialforschung und das Bayerische Forschungsinstitut für Experimentelle Geochemie und Geophysik.

Künftig steht die Ergänzung um die anwendungsbezogenen Gebiete "Materialwissenschaften" und "Ökologisch-technischer Umweltschutz" im Vordergrund. Auch eine auf die Länder der Dritten Welt bezogene regionale Spezialisierung gliedert sich hier ein.

Das Konzept der Universität Bayreuth zum Aufbau einer Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften sieht die gezielte technische Umsetzung der an der Universität ausgebauten naturwissenschaftlichen Grundlagen vor. Die technischen Disziplinen, die überdies Grundlagen für wirtschaftliche Standortentscheidungen bieten, sollen in den Bereichen Materialwissenschaften und ökologisch-technischer Umweltschutz eingerichtet werden. (Dieses Ziel ist als Hinwirkungsziel formuliert. Seine Realisierung wird von der Entscheidung des Wissenschaftsrates wesentlich abhängen). Längerfristig ist eine Ergänzung um die Biotechnik möglich. Bayreuth bietet sich nicht nur wegen vielfältiger Bezüge zur Grundlagenforschung und wesentlicher Vorausleistung an, sondern auch wegen der Nähe zu den Umwelt-Problemgebieten in Thüringen, Sachsen und der westlichen Tschechischen Republik und der in Nordbayern bestehenden Umweltproblematik.

Wesentliche Impulse für diese Entwicklung stammen aus dem 1987 gegründeten Institut für Materialforschung, das als anwendungsorientiertes Analyse- und Entwicklungszentrum für neue Werkstoffe konzipiert wurde, ferner aus der langjährigen führenden Rolle der Universität in der Waldschadensforschung, die 1989 zur Gründung des Bayreuther Instituts für Terrestrische Ökosystemforschung geführt hat. Es ist eines von drei Ökosystemforschungszentren in der Bundesrepublik. Die gemeinsame Bearbeitung anwendungsorientierter Forschungsprojekte und die vorhandenen Forschungsschwerpunkte gebieten neben dem weiteren Ausbau der bestehenden Kooperation mit der Universität Erlangen/Nürnberg deren Ausdehnung auf technische Hochschulen in Thüringen, Sachsen und in Westböhmen.

Ein ähnlich breites Spektrum in Forschung und Lehre wie die Naturwissenschaften weisen die eng aufeinander bezogenen Rechts- und Wirtschaftswissenschaften auf. Ihr Hauptproblem ist derzeit die enorme und anhaltende Überlast. Die enge Verschränkung von Ökonomie und Recht gewinnt im Hinblick auf das zusammenwachsende Europa immer mehr an Bedeutung. Es ist daher folgerichtig, dass die Universität Bayreuth die Einrichtung der Fächer Internationale Wirtschaftsbeziehungen, Internationales Management sowie Umweltrecht anstrebt.

Da gerade bei Juristen, Ökonomen, Geistes- und Sozialwissenschaftlern einschließlich Lehrern in den neuen Bundesländern und in der Tschechischen Republik enormer Bedarf an gezielter Nach- und Ergänzungsqualifikation besteht, werden die ohnehin stark überlasteten Bereiche der Universität Bayreuth zusätzlich gefordert.

Es wird die Errichtung einer Max-Weber-Akademie für Wirtschaft und Gesellschaft angestrebt. Träger der Akademie soll ein eingetragener Verein werden, der mit der Universität Bayreuth eng zusammenarbeitet. Die Akademie soll sich mit den Wandlungsprozessen in den Gesellschafts-, Wirtschafts- und Politiksystemen in Deutschland und in Osteuropa befassen sowie gleichzeitig die europäische Integration unterstützen.*

Die beiden geisteswissenschaftlichen Fakultäten haben ihre Schwerpunkte u.a. in den Afrikastudien, den Weltliteraturstudien und der Musiktheaterforschung. 1990 wurden das Institut für Afrikastudien und das Institut für Internationale Kulturbeziehungen und auswärtige Kulturarbeit gegründet.

In den Geisteswissenschaften ist es notwendig, den bestehenden Magisterstudiengang um weitere Wahl- und Kombinationsfächer zu ergänzen (Politikwissenschaft, Psychologie, Volkskunde) und die Einführung neuer geisteswissenschaftlicher Studiengänge für das gymnasiale Lehramt zu ermöglichen.*

Der Ausbaustand der Hochschulinfrastruktur ist mit entscheidend für die Qualität der Aufgabenerfüllung und die weitere Gesamtentwicklung der Universität. Die zentralen Dienstleistungsbereiche, wie die Universitätsbibliothek, das Hochschulrechenzentrum, die Zentrale Technik und die Universitätsverwaltung weisen personelle Engpässe auf, die die Aufrechterhaltung von Lehre und Forschung in Teilbereichen gefährden können. Zur Sicherung der Funktionsfähigkeit müssen die zentralen Bereiche personell ausgebaut werden.*

Mit Außen- und Kontaktstellen macht die Universität ihre Angebote über das Oberzentrum Bayreuth hinaus in Oberfranken-Ost und in den angrenzenden Region zugänglich und entfaltet allgemeine kulturelle Wirkungen. Dadurch können auch für bestimmte Forschungseinrichtungen örtliche Gegebenheiten optimal genutzt und Forschungsaktivitäten stärker auf regionale und örtliche Erfordernisse ausgerichtet werden. Im Kleinzentrum Wallenfels (Region Oberfranken-West) besteht seit 1976 eine ökologische Außenstation, im Unterzentrum Thurnau seit 1977 das Forschungsinstitut für Musiktheater, seit 1989 auch das Tageszentrum der Universität; letzteres müsste verstärkt und parallel mit dem Ausbau der Universität Bayreuth, zu einem Tagungs- und Wissenschaftszentrum, auch für wissenschaftliche und wirtschaftliche Begegnungen für den mitteleuropäischen Raum (Tschechische Republik) ausgebaut werden.

Im möglichen Oberzentrum Kulmbach sind seit 1980 das Sonderlabor für geo- und archäomagnetische Forschungsarbeiten sowie seit 1985 die Forschungsstelle für Raumanalysen, Regionalpolitik und Verwaltungspraxis eingerichtet.

Die Erschließung der Region durch weitere universitäre Einrichtungen sollte fortgeführt werden; so könnte beispielsweise im Unterzentrum Arzberg wegen der schwierigen lufthygienischen Situation eine Außen- und Kontaktstelle der Universität Bayreuth für grenzüberschreitenden ökologisch-technischen Umweltschutz eingerichtet werden.*

Die Verbindungen zwischen Universität und der Region werden außerdem durch die Möglichkeit der externen Nutzung der Bestände der Universitätsbibliothek und weitere Bibliotheksleistungen, durch breit gestreute regionale Vortragsaktivitäten und durch die von der Universität oder in Verbindung mit ihr veranstalteten kulturellen Aktivitäten verstärkt. Hierzu gehört auch die Nutzung des Ökologisch-Botanischen Gartens als lebendige Erholungslandschaft. 

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