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Regionalplan
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Begründung zu VI. - Bildungs- und Erziehungswesen, kulturelle Angelegenheiten
Zu 4.2 Hochschulen und Forschungseinrichtungen

Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften mit praxisnaher Ausbildung in den Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften wirkt sich in Oberfranken-Ost seit Jahren als Entwicklungshemmnis aus. Technische Bildungseinrichtungen in der Region fehlen oder weisen zu geringe Kapazitäten auf. Trotz des weit überdurchschnittlichen Industrialisierungsgrades liegt der Anteil der Beschäftigten mit Fachhochschul- oder Hochschulabschluss mit 9,5 % ganz erheblich unter dem Landesdurchschnitt von 13,1 %. Strukturelle und betriebliche Probleme, insbesondere die eingeschränkte Innovationsfähigkeit und -tätigkeit, lassen sich vor allem durch verbesserte Qualifikationsmöglichkeiten abbauen. Die Abteilung Münchberg der Fachhochschule Coburg ist nur auf einen Teilbereich der regionalen Wirtschaft ausgerichtet. Ihr bedarfsentsprechender Ausbau war schon für den Textilbereich bisher nicht möglich. Sie kann der regionalen Nachfrage daher nur begrenzt entsprechen. Die bisherigen Engpässe vergrößern sich durch den Wegfall der Grenzen weiter, da zur verstärkten Nachfrage aus dem bisherigen Bundesgebiet, vor allem auch von heimischen Unternehmen, der erhebliche Bedarf an gut ausgebildeten technischen und wirtschaftlichen Führungskräften aus Thüringen und Sachsen kommt. Dort bestehen ähnliche Branchenstrukturen, eine den Fachhochschulen entsprechende Qualifikationsrichtung muss aber erst noch aufgebaut werden.

Die Abteilung Münchberg der Fachhochschule Coburg besteht aus dem Fachbereich Textiltechnik und -gestaltung, der einzigen textilen Ausbildungsstätte im tertiären Sektor in Bayern. Angegliedert ist das Staatliche Prüfamt für das Textilgewerbe, ebenfalls das einzige Institut dieser Art in Bayern. Bereits im Wintersemester 1983/84 waren hier 257 Studierende immatrikuliert, wodurch die nach dem Bayerischen Hochschulgesamtplan festgelegte Ausbauzielzahl von 120 Studienplätzen erheblich überschritten wurde. Die Fachhochschule Coburg strebt deshalb, unterstützt vom Wissenschaftsrat, eine Erhöhung der Ausbauzielzahl auf mindestens 200 Studienplätze an und hielt eine Ergänzung des Studienangebots, zum Beispiel durch einen Studiengang Bekleidungstechnik und durch Schwerpunkte im Gestaltungsbereich für erforderlich. Seither hat sich die Situation erheblich verschärft. Im Wintersemester 1989/1990 waren für Münchberg 537 Studierende eingeschrieben.*

Nach dem Entwicklungsplan der Fachhochschule Coburg wird langfristig ein Ausbauziel von 500 Studienplätzen für die Abteilung Münchberg angestrebt, kurz- bis mittelfristig erscheint jedoch eine Erhöhung der Ausbauzielzahl auf 250 Studienplätze realistisch. Neben den WS 1991/92 innerhalb der textiltechnischen Studiengänge neu in das Lehrangebot aufgenommenen Studienschwerpunkte "Vliesstoffe/Technische Textilien" wird an der Abteilung Münchberg eine weitere Ergänzung um textilbezogene, enge Bezüge zum vorhandenen Angebot aufweisende Studiengänge angestrebt.

Damit und durch den weiteren Ausbau des bereits vorhandenen Labors könnte die Abteilung Münchberg der Fachhochschule Coburg zu einem europäischen Schwerpunkt der Vliesstoff-Technologien ausgebaut werden, der insbesondere auch in die neuen Bundesländer und in die Tschechische Republik ausstrahlt.*

Kulmbach verfügt über ein Lebensmittelzentrum mit der weltweit anerkannten Bundesforschungsanstalt für Fleischforschung sowie den Fachschulen für Lebensmittelverarbeitungs- und Fleischtechnik. Darüber hinaus sind in Kulmbach herausragende Handwerks- und Industriebetriebe in fast allen Lebensmittelbranchen vorhanden. Der Fachkräftebedarf für Lebensmittelbe- und -verarbeitung wird im Europäischen Verbund in Zukunft sehr stark ansteigen.

Deshalb ist das mögliche Oberzentrum Kulmbach der geeignete Standort für eine Abteilung "Lebensmittel-, Bio- und Umwelttechnologie" der Fachhochschule Coburg.*

In Kooperation mit der bestehenden "Beamtenfachhochschule" entsteht in Hof eine "Fachhochschule für Wirtschaft und Verwaltung". Zunächst sind ca. 600 Studienplätze vorgesehen; ein Strukturbeirat wird entsprechende Studienmöglichkeiten und Ausbildungsgänge erarbeiten. Aufgrund ihrer geographischen Lage wird diese neue Fachhochschule nicht nur für die Region, sondern für die angrenzenden neuen Bundesländer sowie für die Tschechische Republik bedeutsam sein. Deshalb ist der zügige Aufbau dieser Einrichtung besonders wichtig.

Die Bedarfsdeckung der heimischen Wirtschaft an qualifiziertem Führungspersonal und neue Entwicklungsimpulse werden auf Dauer nur durch eine eigenständige Fachhochschule mit technisch-wirtschaftlichem Schwerpunkt in der Region selbst möglich sein. Das mögliche Oberzentrum Marktredwitz/Wunsiedel und das Mittelzentrum Selb bemühen sich deshalb langfristig um die Errichtung von Fachhochschul-Außenstellen. Entsprechend den Schwerpunkten der regionalen Wirtschaft streben dabei die Stadt Wunsiedel eine Fachhochschuleinrichtung für den Bereich Steinbearbeitung, die Stadt Selb für den Kerambereich an. An beiden Standorten besteht bereits ein entsprechendes fachliches Umfeld.*

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