Startseite  |  Impressum  |  Sitemap  |  Datenschutz
Regionalplan
Druckversion
Begründung zu VI. - Bildungs- und Erziehungswesen, kulturelle Angelegenheiten
Zu 4.4 Hochschulen und Forschungseinrichtungen

Die Region verfügt mit ihren Hochschulen über ein erhebliches Wissenspotential, das es ermöglicht, Strukturpolitik stärker aus der Region selbst heraus zu entwickeln und eigene Kräfte zu mobilisieren und das deshalb zunehmend für die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Weiterentwicklung genutzt werden muss. Die Verflechtung der Hochschuleinrichtungen mit der Region wird in einer immer stärker durch die Notwendigkeit von Innovation und die Übernahme neuer Techniken geprägten Zukunft zunehmend auch die Lebens- und Arbeitsverhältnisse in Oberfranken-Ost beeinflussen. Neben den regions- und anwendungsbezogenen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Universität Bayreuth und der Fachhochschulabteilung Münchberg wurden in den letzten Jahren vor allem die institutionellen Voraussetzungen für einen gezielten Wissens- und Technologietransfer geschaffen. Intensive Kontakte ergeben sich insbesondere über das gemeinsam von der Universität Bayreuth und der oberfränkischen Wirtschaft getragene "Betriebswirtschaftliche Forschungszentrum für Fragen der mittelständischen Wirtschaft" und die in Zusammenarbeit mit der oberfränkischen Wirtschaft errichtete Kontaktstelle für Forschungs- und Technologietransfer sowie die Forschungsstellen der Universität Bayreuth für Sozialrecht und Gesundheitsökonomie, für Bankrecht und Bankpolitik, für Wettbewerbsrecht und Wettbewerbspolitik, für Lebensmittelrecht, für Raumanalysen, Regionalpolitik und Verwaltungspraxis sowie das Internationale Institut für fortgeschrittene Umweltstudien. Diese neuen Kooperationsformen schaffen für regionale Interessenten Zugriffsmöglichkeiten zu wissenschaftlicher und technologischer Information und Dokumentation und ermöglichen eine Beeinflussung der Forschungsfragestellungen im Hinblick auf die Umsetzung der Ergebnisse. Die Aktivitäten dieser Einrichtungen können künftig intensiviert werden. Darüber hinaus bestehen Planungen für den Aufbau einer Erdgeschichtlichen Sammlung Nordostbayern, für ein Zentrum für Schadstoffforschung sowie für ein Institut für Molekularbiologie an der Universität Bayreuth und Überlegungen, im Mittelbereich Kulmbach eine Institution zur Förderung des Exports und der Entwicklungshilfe zu gründen, nachdem eine Umfrage ergeben hat, dass nur ein geringer Teil der hier hergestellten Güter am Export beteiligt ist.

Der Aufbau eines regionalen Zentrums als nationale Folgeeinrichtung der Europäischen Umweltagentur bindet die Region in das entstehende Umweltnetzwerk ein. Oberfranken-Ost ist mit dem Wegfall bisher trennender Grenzen zu einem zentralen Standortraum geworden. Das angestrebte regionale Zentrum ist gleichzeitig als Symbol der Kooperationsbereitschaft der Europäischen Union gegenüber Ländern zu sehen, die nicht der EU angehören, aber auch im Interesse einer Stärkung der am Rande des EU-Raumes gelegenen Gebiete dringend geboten.

Es trägt außerdem der geographisch vorgegebenen Mittlerfunktion Rechnung und stellt einen Teilausgleich für die jahrzehntelang ertragenen Nachteile und die grenzüberschreitende Umweltbelastung dar. Mit den vorhandenen und weiter auszubauenden Forschungsschwerpunkten auf dem Gebiet der Umweltwissenschaften, der die ökologische Grundlagenforschung mit den anwendungsbezogenen technischen Aspekten verbinden soll, an der Universität Bayreuth und der Außenstelle Nordbayern des Landesamtes für Umweltschutz in Kulmbach-Steinenhausen bestehen hervorragende Kontaktmöglichkeiten. Mit seinen Zielsetzungen technischer Umweltschutz, naturschutzfachlichen Aufgaben, der Errichtung einer Außenstelle der Bundesanstalt für Ökologie und Landschaftspflege und eines Umweltparks als Verbindungsglied zwischen angewandter Forschung, Landesamt und Wirtschaft unter Beteiligung von Landesgewerbeanstalt und TÜV, bietet sich der Ausbau von Steinenhausen zum Landesamt mit bayerischen bzw. bundesweiten Aufgaben im Rahmen des bayerischen Programms "München entlasten - die Regionen stärken" geradezu an. Die Stadt Kulmbach hat hierfür durch Ausweisung einer größeren Gemeinbedarfsfläche bereits hervorragende Voraussetzungen für die Verwirklichung der ökologischen und grünplanerischen Zielsetzung in vielfältiger Form geschaffen. Ein Entwicklungskonzept hierfür wurde vom Bayer. Landesamt für Umweltschutz bereits erarbeitet. Zur Aufwertung des möglichen Oberzentrums Kulmbach und entsprechend dem Bestreben der bayerischen Staatsregierung, den nordbayerischen Raum verstärkt mit Einrichtungen der anwendungsbezogenen außeruniversitären Forschung auszustatten, soll außerdem ein neues Fraunhofer-Institut in Kulmbach angesiedelt werden.

Dieses Institut soll in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Fleischforschung und dem Münchner Fraunhofer-Institut für Lebensmitteltechnologie und Verpackung die Grundlagenarbeit auf dem Gebiet der Bioforschung (z.B. Biotechnologie) fortsetzen und vertiefen. Gerade auf diesem Fachgebiet sind Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen in Thüringen, Sachsen und in der Tschechischen Republik erforderlich.

In Thurnau betreibt die Universität Bayreuth als Außenstelle das Forschungsinstitut für Musiktheater, für das eine Erweiterung seiner Forschungseinrichtungen angestrebt wird.

Im Schloss Thurnau könnte weiterhin eine Lehrerfortbildungsstätte als Zweigstelle der Akademie für Lehrerfortbildung Dillingen eingerichtet werden. Die bereits mit hoher Qualität sanierten Räumen wären sofort nutzbar. Möblierte Appartements im Schloss selbst sowie die leistungsfähigen Hotels und Gasthöfe in Thurnau und Kasendorf sind allen Anforderungen gewachsen: wegen der günstigen Verkehrsanbindung könnten u.a. Kurse mit Teilnehmern aus den neuen Bundesländern durchgeführt werden.

Das Unterzentrum Arzberg eignet sich auf Grund seiner Lage in der Region und als Kraftwerkstandort besonders für die Errichtung einer Forschungseinrichtung im Bereich des ökologische-technischen Umweltschutzes im Rahmen grenzüberschreitender Grundlagenforschung.*

Im Nordosten der Region wird die Errichtung eines "Deutsch-Tschechoslowakischen Instituts für Verständigung und Sprachförderung (Osteuropa-Institut)" angestrebt, das zu einem verstärkten wirtschaftlichen und kulturellen Austausch zwischen der Region und Böhmen beitragen könnte. Im Hinblick auf den durch die Grenzöffnung erweiterten Einzugsbereich laufen Bestrebungen, in Selb unter Beteiligung des kommunalen und privaten Bereichs ein "Institut für keramische Werkstoffe" zu errichten.

Diese und andere Einrichtungen fördern ebenso wie die Hochschulen die Entwicklung ihres Standorts und der Region. Sie entfalten nicht nur Wirkungen auf Arbeitsmarkt, Wirtschaft, Infrastruktur und das Image einer Region, sondern können häufig auch industrielle Standortentscheidungen beeinflussen, insbesondere in wachstumsträchtigen technologie- und wissenschaftsintensiven Branchen.

Die universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind bisher in Bayern und im Bundesgebiet weit überwiegend in den großen Verdichtungsräumen angesiedelt. Die angestrebte gleichwertige Entwicklung der Lebens- und Arbeitsbedingungen erfordert neben der ausreichenden Ausstattung der Hochschulen deshalb auch neue Forschungseinrichtungen im universitären wie im außeruniversitären Bereich innerhalb der Region. Diese können auch einen Beitrag zur Verbesserung der Ausstattung mit Dienstleistungsarbeitsplätzen leisten. Beispiele für die durch die Errichtung der Universität Bayreuth möglich gewordene Ansiedlung weiterer Forschungseinrichtungen sind das "Bayerische Institut für experimentelle Geochemie und Geophysik (bayerisches Geoinstitut)", die vertraglich begründete gemeinsame Arbeitsgruppe der Universität Bayreuth und des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik in Garching sowie die Limnologische Station, das Institut für Makromolekülforschung und das "Bayreuther Institut für terrestrische Ökosystemforschung (BITÖK)".

Die durch die Hochschulen in der Region aufgewerteten Standorte, insbesondere auch das Oberzentrum Hof und die Mittelzentren, müssen für weitere öffentliche, halböffentliche und private Forschungseinrichtungen attraktiv werden, um so auch die Grundlagen für die Gründung und Ansiedlung technologieintensiver Wirtschaftszweige und Unternehmen in der Region zu schaffen.

Zurück