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Regionalplan
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Begründung zu XI. - Wasserwirtschaft
Zu 3 Gewässerschutz, Gewässergüte, Abwasserbeseitigung
Zu 3.1

Die Region umfasst die Quellgebiete des Mains, der Sächsischen Saale, der Eger und der Naab; es treffen hier die Wasserscheiden zwischen Rhein, Elbe und Donau zusammen. Größere Fließgewässer sind nicht vorhanden.

Frankenwald und Fichtelgebirge gehören zu den Wassermangelgebieten; die Abflussverhältnisse der Vorfluter sind wegen der geringen Speicherfähigkeit des Untergrunds unausgeglichen. Bei der hohen Industriedichte muss dies besonders in den abflussschwachen Sommer- und Herbstmonaten zu starken Gewässerbelastungen führen. Die Fließgewässer der Region, insbesondere Eger, Fichtelnaab, Lamitz, Roter und Weißer Main, Röslau, Sächsische Saale und Selbitz, weisen in größeren Flussabschnitten schlechtere Güteverhältnisse als Güteklasse II (mäßig belastet) auf und sind deshalb sanierungsbedürftig.

Der Rote Main ist oberhalb Bayreuth in Güteklasse II einzustufen. Lediglich unterhalb Creußen hat er Wassergüte III (stark verschmutzt), welche sich jedoch bis zur Schlehenmühle auf II-III (kritisch belastet) verbessert. Vor Inbetriebnahme der erweiterten Kläranlage Bayreuth 1977 und der Kläranlage Rotmaintal 1983 war der Rote Main stark verschmutzt (III) bis übermäßig verschmutzt (IV). Seither ist bis etwa zur Mündung des Friesenbachs die Gewässergüte II-III und von dort bis zum Zusammenfluß mit dem Weißen Main die Güte II vorhanden. Trotzdem ergeben sich aus dem geringen Niedrigabfluß des Roten Mains qualitative und quantitative wasserwirtschaftliche Probleme. Bei 710 I/s mittlerem Niedrigabfluß des Roten Mains am Pegel Bayreuth werden in Trockenjahren an 20 Tagen 450 l/s unterschritten und bei Trockenheit ein Extremwert von 140 l/s erreicht. Dem steht bereits heute ein Abwasserzufluß von 500 l/s mit einer Schmutzfracht von 210000 Einwohnergleichwerten gegenüber. Zur Verbesserung des biologischen Selbstreinigungsvermögens im Roten Main muss deshalb nach Ausschöpfung der technischen Möglichkeiten zur Abwasserreinigung auch die Aufhöhung der Niedrigwasserabflüsse durch Wasserspeicher in Betracht gezogen werden. Das Ziel der Landesplanung, unterhalb Bayreuth Güteklasse II (mäßig belastet) wiederherzustellen, läßt sich unter den äußerst ungünstigen natürlichen Vorflutverhältnissen nur erreichen, wenn die Abwässer des Oberzentrums Bayreuth durch moderne weitergehende Behandlungsverfahren optimal gereinigt und die Niedrigabflüsse durch Wasserspeicher aufgehöht werden. Es ist deshalb zu prüfen, ob sich am Roten Main zwischen Creußen und Bayreuth eine Talsperre mit genügend großem Fassungsvermögen verwirklichen lässt. Konkurrierende Nutzungen sollen in diesem Bereich des Rotmaintals vermieden werden. Bei der Prüfung sind die landwirtschaftlichen und ökologischen Belange besonders zu berücksichtigen.

Ein weiterer Abwasserschwerpunkt im nordostoberfränkischen Grenzgebiet ist das Selbitztal mit dem möglichen Mittelzentrum Helmbrechts und dem Mittelzentrum Naila. Während oberhalb Naila durch die großräumige Zusammenfassung aller Abwässer ab Helmbrechts in der Selbitz bereits Güteklasse II erreicht werden konnte, ist unterhalb Naila die heute noch vorhandene Güte III-IV bis Marxgrün, III bis Hölle und II-III bis zur Staatsgrenze durch den Bau der geplanten biologischen Reinigungsstufe zu verbessern. Darüber hinaus soll untersucht werden, inwieweit durch Niedrigwasseraufhöhung eine zusätzliche Verbesserung der wasserwirtschaftlichen Verhältnisse erzielt werden kann.

Vor der Einleitung großräumiger Gewässerschutzmaßnahmen bestand der Niedrigwasserabfluss in der Sächsischen Saale mehr aus Abwasser als aus abfließendem Grund- und Quellwasser. Derzeit ist die Sächsische Saale bis Hof nahezu abwasserfrei. Unterhalb Hof hat sich nach Inbetriebnahme der biologischen Stufe der Verbandskläranlage die Gewässergüte von ehemals Güteklasse IV (übermäßig verschmutzt) wesentlich verbessert. Gleichzeitig müssen die abwassertechnischen Maßnahmen zur Sanierung der Sächsischen Saale durch abflussausgleichende Maßnahmen ergänzt werden. Die außerordentlich geringen Niedrigwasserabflüsse, vermindert noch um die Oberflächenwasserentnahme der Industrie, sind hierzu aus der Talsperre an der Förmitz aufzuhöhen.

Die Fichtelnaab ist stellenweise stark verschmutzt. Im Nahbereich Fichtelberg/Warmensteinach werden Verbesserungen durch die Erweiterung der Kläranlage Fichtelberg angestrebt.

Nach Anschluss von Weißenstadt an die Kläranlage unterhalb von Röslau hat die Eger nur noch kurz unterhalb des Ablaufes des Weißenstädter Sees Wassergüte II-III. Durch den baldigen Anschluss der oberhalb des Sees gelegenen Stadtteile von Weißenstadt sollte der See entlastet werden. Um einige Nebenflüsse der Eger unterhalb Marktleuthen zu entlasten, werden die Abwässer von Thierstein, Höchstädt b. Thiersheim und Schwarzenhammer in vollbiologischen Kläranlagen zu reinigen sein. Der in den letzten Jahren zunehmenden Verunreinigung der Röslau unterhalb Wunsiedel (heute Wassergüte II-III) kann durch die Erweiterung der Kläranlage Wunsiedel entgegengewirkt werden.

Unterhalb Arzberg sowie unterhalb Hohenberg a. d. Eger soll die jeweils heute bei II-III liegende Wassergüte der Röslau und Eger durch den Anschluss von Thiersheim, Schirnding und Hohenberg a. d. Eger an die vollbiologische Kläranlage des Unterzentrums Arzberg weiter verbessert werden.

Das Wasser der Lamitz wird zeitweise zur Füllung des Förmitzspeichers verwendet. Um eine stärkere Eutrophierung mit nachteiligen Folgen für den See und die Saale zu vermeiden, ist es nötig, ein ausreichend nährstoffarmes Wasser zuzuführen. Das im Nahbereich Kirchenlamitz anfallende Abwasser soll deshalb erst unterhalb des Speicherzuflusses in die Lamitz eingeleitet werden. Darüber hinaus muss die Zufuhr aus anderen Nährstoffquellen, wie häusliche Abwässer, Waschmittel, Industrieabwässer, Abwässer der Landwirtschaft, im Einzugsgebiet der Lamitz möglichst weitgehend vermindert werden.

In einigen Gewässern im Nordosten der Region kommt heute noch die sehr seltene Flussperlmuschel vor, welche an den Chemismus des Wassers besondere Anforderungen stellt. Um ihr Aussterben zu verhindern, sind die erforderlichen Güteverhältnisse dieser Fließgewässer zu erhalten oder anzustreben.